Stefan K. Beck, Privatgelehrter und Projektemacher
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Konquista

Die Entdeckung und Eroberung Amerikas

Kolumbus

Christoph Kolumbus erhielt nach gescheiterten Versuchen in England und Portugal 1492 von den Katholischen Königen Ferdinand II. von Aragon und Isabella von Kastilien den Auftrag, Indien über die Westroute zu suchen, nachdem die beiden Spanier die Mauren endgültig von der iberischen Halbinsel vertrieben hatten. Hintergrund fur diesen Auftrag war, daß die Portugiesen um Afrika herum den seit Jahrhunderten gesuchten Seeweg nach Indien gefunden hatten und die Handelsroute einen enormen wirtschaftlichen Erfolg zeitigte. Außerdem hatte Kolumbus, der jahrelang in portugiesischen Diensten gestanden hatte, Erkenntnisse, die noch auf Heinrich den Seefahrer zurückgehen, bei seiner Übersiedlung nach Spanien entwendet und damit die Spanier überzeugt, ihn auf Entdeckungsreise zu schicken.

Auf der ersten Fahrt entdeckte er ab Mitte Oktober 1492 einige Inseln der Antillengruppe und gründete auf Haiti – eher aus der Not geboren, weil eines der drei Schiffe, mit denen er über den Atlantik gesegelt war, von einem Sturm stark beschädigt war – eine Siedlung. Ein halbes Jahr nach seiner Ankunft in Spanien, im September 1493 kehrte er mit 17 Schiffen zurück und blieb über zwei Jahre im Karibischen Meer und entdeckte weitere Inseln, von denen er annahm, sie gehörten zu Cipango, wie man damals in Spanien Japan bezeichnete.

Mitte 1496 kehrte er als Gefangener nach Spanien zurück, weil es ihm nicht gelungen war einen königlichen Inspektor davo zu überzeugen, daß seine Verantwortung an den angetroffenen Mißständen nur gering war. Als er die Vorwürfe entkräftet hatte, brach er Mitte 1498 erneut auf, diesmal mit nur noch sechs Schiffen. Er fuhr an der Nordostspitze Südamerikas entlang, erkannte aber nicht den kontinentalen Charakter seiner Entdeckung. Ende 1500 war er wieder in Spanien. Auf seiner letzten Fahrt, Mitte 1502 bis Ende 1504, erreichte er Mittelamerika (s. Chronologie der Fahrten von Kolumbus), aber bis zu seinem Tod am 20. Mai 1506 war ihm nicht klar, daß es weder Indien war, das er gefunden hatte, noch, daß er nicht nur Inseln entdeckt hatte. Bereits Kolumbus kam mit der Absicht, sich zu bereichern und nicht als reiner Entdecker nach Amerika, wie der Vertrag mit den Katholischen Königen beweist, den er vor der ersten Reise mit ihnen geschlossen hatte.

Erste Nachahmer

Nach Kolumbus’ zweiter Fahrt versuchten nun auch andere ihr Glück auf der Fahrt über den Atlantik. Unter ihnen sind Alonso de Ojeda, der das erste Goldvorkommen der Neuen Welt entdeckte und Juan de la Cosa, der 1500 die erste Karte der Nordküste Südamerikas entwarf. De la Cosas Koautor der Karte, Amerigo Vespucci, nach dessen Vornamen Martin Waldseemüller – nach Anregung durch die Cosmographiae Introductio des Kosmographen Mattias Ringmann – 1507 erstmals den neu entdeckten Kontinent "America" nennt, war wie die beiden Vorgenannten und der Sevillianer Kaufmann Rodrigo de Bastidas, Teilnehmer an den Reisen von Kolumbus. Letzterer stellt eine große Ausnahme unter den Konquistadoren dar, weil er nicht eroberte, sondern ehrliche Geschäfte machte. Geradezu folgerichtig, brachten ihn seine eigenen Leute um, weil sie sie sich um ihren Gewinnanteil geprellt sahen.

In den folgenden Jahren gab es - auch deutsche - entradas, wie die Expeditonen zur Erlangung von Reichtum genannt werden, ins Hinterland der in Besitz genommenen Küstenstriche am Karibischen Meer. (vgl. dazu auch Die deutschen Eroberer in Coro, dem Hauptort der Vertreter der Welser in Venezula.)

Durchbruch zum Pazfik

Auf einer Fahrt 1501 zur Mündung des Río Magdalena und Panama war neben neben de la Cosa und de Bastidas auch der bankrotte Schweinezüchter Vasco Nuñez de Balboa beteiligt, der als erster Europäer 1513 Panama auf dem Landweg durchquerte und den Stillen Ozean entdeckte, den er, weil von Norden kommend, "Südsee" nannte. Balboa wurde zwar der erste Gouverneur Panamas, fiel aber den Intrigen seines Nachfolgers Pedro Arias d’Avila (auch Pedrarias) zum Opfer, der ihn durch den ehemaligen Schweinehirten Francisco Pizarro gefangennehmen und hinrichten ließ.

Die Eroberung Tawantinsuyos

Pascual de Andagoya, der aufgrund der Berichte über "Biru" bereits 1522 auf dem Landweg nach Süden vordrang, scheiterte in Westkolumbien (Choco) und mußte den Eroberern, die entlang der Pazifikküste nach Süden vorstießen, den Ruhm überlassen.

Pizarro setzte den von Balboa begonnen Schiffbau an der Westküste Panamas fort und unternahm 1524/25 die erste Reise entlang der Westküste Kolumbiens nach Süden, der 1526/27 eine zweite, eigentlich untersagte, Vorerkundung bis Peru folgte, bevor er Anfang 1532 bei Tumbes in Nordperu landete. Von hier aus stieß er ins Landesinnere vor, nahm den Inca Atahaualpa gefangen und sein Reich, Tawantinsuyo, für die spanische Krone in Besitz. Schließlich brachten ihn seine eigenen Leute um, weil er einen Aufstand in den eigenen Reihen blutig niedergeschlagen hatte.

Pizarros Erben

Unter Pizarros Offizieren sind Diego Almagro und dessen gleichnamiger Sohn zu nennen, die zwischen 1535 und 1537 das heutige Bolivien und Teile Chiles eroberten. Der Vater meuterte aus Unzufriedenheit über seine schwache Ausbeute gegen Pizarro und wurde hingerichtet. Sebatián de Benalcazár, der zuerst mit Kolumbus gesegelt war, und mit Arias d’Avila in Mittelamerika gekämpft hatte, bevor er mit Pizarro das Inkareich einnahm, eroberte das heutige Ecuador, von wo aus er bis nach Kolumbien vorstieß. Benalcazár, der zwischen Königstreue und Aufstand aus Unzufriedenheit schwankte, starb an Fieber auf dem Weg zum Indienrat, vor dem er sich rechtfertigen sollte. Ebenfalls zu Pizarros Leuten gehörte Francisco de Orellana, der nach der Eroberung des Inkareichs mit Pizarros Bruder Gonzalo eine Expedition ins ecuadorianische Amazonastiefland durchführte, in deren Verlauf er als erster Europäer den Amazonas befuhr und ihm seinen Namen gab. (Weitere Informationen in Kurzfassung in der Zeittafel zur Entdeckung und Erobreung Amerikas sowie bei den ausgewählten ersten Stadtgründungen in der Neuen Welt)